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ATV & Quad

Handhabung und Fahrverhalten eines Quads

Handhabung und Fahrverhalten eines Quads

Gut ist nicht gut genug

Wer ein guter Autofahrer oder Motorradfahrer ist, sollte mit demütigen Schritten beginnen, wenn er das erste mal auf einem Quad oder ATV sitzt. Ein Quad verhält sich entgegen der oben genannten Fahrzeugarten völlig anders, aber fangen wir mal vorne an.

Handhabung

Schaltung

Es gibt zwei Varianten, Fußschaltung wie beim Motorrad oder Automatik, wobei dies nicht ganz korrekt ist, denn es ist in Wahrheit kein schaltendes Automatikgetriebe verbaut, sondern eine Art Variomatik, wie die älteren Semester diese von älteren Volvo, oder DAF Fahrzeugen kennen. Der Antrieb erfolgt über einen Riemen, der auf zwei längs geteilten, kegeligen und durch Fliehkraft sich verstellenden Riemenrädern läuft. Bei der Verlagerung der Riemenscheibenhälften findet eine stufenlose Änderung des Übersetzungsverhältnisses statt. Mehr Infos für Wissenshungrige bei wikipedia und dem Suchbegriff: variomatic

Manuelle Schaltung

Quads mit manueller Fußschaltung, meist in Verbindung mit einer Starrachse lassen sich völlig anders fahren, als solche mit Variomatic. Im Straßeneinsatz und auf schnellen Strecken kann die Fußschaltung ganz angenehm sein. Bei den Schaltfahrzeugen ist der linke Lenkerhandhebel, wie bei einem Motorrad, die Kupplung zum Trennen der Gänge. Es gibt auch hier einen Rückwärtsgang.

Automatische Schaltung

Wie bei einem Automatik-Wahlhebel im Auto verfügt das Variomatik ATV auch über einen Wahlhebel für das Getriebe.
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Die Schaltstufen der Halbautomatik (Variomatic)

P = Parken (Achse wird blockiert und Fahrzeug kann nicht mehr rollen)
H = High (von null bis max. Geschwindigkeit im Vorwärtsmodus)
L = Low (wie H, jedoch mit Vorgelege, oder Getriebeuntersetzung) = max. Kraft
N = Neutral
R = Rückwärtsgang, ebenfalls stufenlos
Zum Einlegen oder Wechseln der Gänge bei der Variomatic muß die Hinterradbremse betätigt werden. Bei allen Modellen über das Fußbremspedal, bei einigen Modellen auch wahlweise über den linken Handbremshebel möglich. Spätestens wenn das ATV bis zur Sitzbank im Wasser steht, beantwortet sich die Frage danach, warum auch der Handhebel den Wahlhebel des Getriebes entsperrt von selber.

Hier die Anzeige einer 700er Grizzly mit EPS

Oben links wird angezeigt, daß der Allradmodus zugeschaltet ist. Beim Aktivieren der Differentialsperre würde noch die Meldung "Diff Lock" erscheinen.
yamaha-grizzly700eps-digital-display.jpg (641x481px)

Allradantrieb

Rechts am Lenker befindet sich in der Regel ein Doppelschalter. Ein Schalter ist für die Zuschaltung des Allradantriebs da, mit dem zweiten Schalter kann eine zusätzliche Differenzialsperre zugeschaltet werden. Beim Allradbetrieb und noch mehr bei zugeschalteter Differenzialspelle lässt sich das Fahrzeug wesentlich schwerer lenken. Man sollte diese Modi jedoch auch nur in Extremsituationen zuschalten, wenn mit dem Antrieb von nur einer Achse nichts mehr geht, oder in extrem schwierigen Gelände, wo man jede Sekunde damit rechnen muß, dass es nicht mehr weiter geht. I.d.R. befindet man sich in solch schwierigen Situationen in der Getriebestellung „Low“. Das schwergängige Lenken erinnert uns jedoch bei schnelleren Passagen daran, den Allradmodus wieder abzuschalten.
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Bremsen

Die Schaltfahrzeuge bremst man die Vorderachse mit dem Bremshebel rechts am Lenker. Die Fußbremse (rechts) stoppt die hinteren Räder. Bei den Variomatic’s dient der Handhebel links am Lenker zusätzlich zum Bremsen der Hinterräder, ein Fußbremspedal für hinten gibt es nämlich auch. Also eine Bremsanlage hinten, aber zwei Bedienmöglichkeiten hierfür.

Gas geben

Fast ausschließlich ist der Gashebel (beim Auto das Gaspedal) beim Quad ein Daumenhebel. Sitzt man als routinierter Motorradfahrer erstmals auf dem Quad, ist der erste Wunsch der Umbau auf einen Drehgasgriff. In der Realität ist das Daumengas aber die perfekte Lösung, denn das Fahren und Lenken erfordert hohen Körpereinsatz (kein Sport für Pussies). Beim Drehgasgriff verkrampft man sich viel zu sehr und bei gleichzeitig kraftaufwendigen Lenkbewegungen ist das Drehdas voll hinderlich und sorgt für einen tauben Daumen.
Beim Daumengas ist der Finger im Fall der Fälle schnell weg vom Gashebel, beim Drehgasgriff geht das nicht so abrupt, da ich ja gleichzeitig mit der verkrampften Gashand den Lenker bewegen muß. Bei reinem Straßenbetrieb mag das Drehgas für den ein oder anderen nützlich sein, im Gelände ist Drehgas meiner Ansicht nach ein „no go“.

Fahrverhalten

Kurven fahren

Beim Durchfahren von Kurven verlagere ich mein Körpergewicht entgegengesetzt der Fliehkraft, d.h. in Linkskurven neigt das ATV zum Umkippen nach rechts und mit dem Verlagern des Körpergewichts nach links wirke ich dieser Kraft entgegen. Die Kurve kann so schneller und gefahrloser durchfahren werden. In Rechtskurven verhält es sich entsprechend umgekehrt.
Linkskurve = Körpergewichtsverlagerung nach links Rechtskurve = Körpergewichtsverlagerung nach rechts
Bergauf wird das Körpergewicht nach vorne verlagert, bergab nach hinten (geht nur soweit, wie die Arme lang sind), denn der maßgebliche Lenkvorgang wird immer noch über den Einschlag des Lenkers vorgegeben.
In extrem bergigen Situationen, kurz vor dem Einsatz der Seilwinde, kann es für fahrsichere Akrobaten auch schon mal hilfreich sein, den Körper auf den vorderen oder hinteren Gepäckträger zu begeben und von dort aus zu manövrieren. Dies ist aber überhaupt nix für Anfänger, vergesst es bitte sofort wieder und erinnert Euch erst wieder daran, wenn sonst alle Handgriffe sitzen und Ihr Euch zu den routinierten Offroadern zählt. Bodenwellen und Unebenheiten werden in der Regel im Stehen gemeistert.

Fahrbahnuntergrund

Das Fahrverhalten unterscheidet sich massiv, je nach dem ob der Untergrund fest oder lose ist. Diese Thematik zu detaillieren würde den Rahmen hier jedoch eindeutig sprengen. Hier scheiden sich ja auch die Geister, da die Straßenheizer-Gemeinde ganz andere Fahrzeuge fährt als der Offroader. Mit meinem ATV fühle ich mich auf der Straße jedenfalls fehl am Platz und ich versuche immer ein Stück Natur unter die Reifen zu bekommen.
Auf losem Untergrund wie Gras, Schnee, oder Sand ist auch sliding ein lustiges Thema. Hier wird mit sensibler Gashand und im Stehen das Heck zum Rutschen und seitlichen Ausbrechen gebracht. Diese Übung ist auch eher etwas für Fortgeschrittene. Mit dem Auto hat es bestimmt schon jeder mal auf leerer Straße bei Schnee getestet. Am besten klappt es mit einem heckgetriebenen Fahrzeug, z.B. BMW, Mercedes, oder ältere Opel. Um beim Thema zu bleiben es klappt auch sehr gut mit Quads die eine Starrachse haben. Mit ATV’s geht das auch, aber nicht ganz so leichtfüßig wie mit der Starrachse.
Steine und Geröll erfordern höchste Konzentration, viel Erfahrung und einen ausgeprägten Gleichgewichtssinn. Gerade auf bergigen Passagen kann es schnell mal anders enden als gewünscht. Ähnlich wie beim Trial fahren gilt: in der Ruhe liegt die Kraft.

Bremsen

Den Spruch kennt ja fast jeder: „wer bremst – verliert!“
In der Realität sollte es aber heißen: wer falsch bremst der verliert. Da Quads i.d.R. noch nicht über ABS verfügen, muß dem Fahrer das richtige Bremsen und die physikalischen Vorgänge dabei verständlich sein.
Einem Motorradfahrer brauche ich da wohl nichts zu erklären. Zwar übernimmt die Vorderbremse bei allen Fahrzeugen die überwiegende Bremsleistung, aber genau da liegt die Krux, wenn es kein elektronisches Regelgerät für die Bremskraftverteilung gibt. Auf geraden trockenen Strecken gilt diese Regelung natürlich immer noch, vorne ist die größte Bremskraft. In Kurven, und / oder auf unbefestigten Untergründen kann zuviel Bremsleistung auf den Vorderrädern jedoch fatale Folgen haben.
Unterstützt durch die Fliehkraft wird das Fahrzeug beim Bremsen in die Richtung der Fliehkraft geschoben und diese Richtung weicht oft von der Richtung ab, in die ich mein Fahrzeug führen möchte. Übermäßiges Abbremsen der Vorderräder auf rutschigen Untergründen in der Kurve lässt das Fahrzeug geradeaus rutschen.
Man sollte also in solchen Situationen möglichst auf die Vorderbremse verzichten, oder diese nur ganz fein dosiert einsetzen. Übung macht hier den Meister und entsprechende Vorsicht erhält die Gesundheit des Piloten.

Bremsen im Gebirge

Nehmen wir einmal an Ihr fahrt eine Sanddüne hoch und auf der Hälfte des Weges haben die Reifen keine Traktion mehr, der Motor stirbt ab, oder man muß aus unvorhergesehenem Grund anhalten. Im Berg auf Sand anzufahren könnt Ihr vergessen und es bleibt nur noch der Weg nach unten und zwar rückwärts. Wer jetzt die Hinterradbremse einsetzt, purzelt wie ein Maikäfer nach unten. Ihr dürft bei dieser Aktion ausschließlich die Vorderbremse verwenden und dabei lenken, dann geht alles weitere völlig geschmeidig und fast ungefährlich.
Bei steiler Bergabfahrt im Gelände (vorwärts) ist die Vorderradbremse ein absolutes Tabu. Bitte nur hinten bremsen und hierbei dürfen die Räder ohne weiteres auch blockieren. Macht mal den Versuch, Ihr werdet sehen, wenn man gewisse Regeln und Vorgänge kennt, geht vieles leichter.

Seitliches Fahren in Schräglage..

..sollte so gut es geht vermieden werden. Bergauf und bergab ist schon tückisch, jedoch seitliches Fahren im Gefälle ist sehr gefährlich. Profis stehen mit beiden Beinen auf dem Trittbrett, welches dem Berg zugewandt ist, möglichst auf der rechten Seite, da man sonst nicht mehr an den Gashebel kommt. Nein vergesst das wieder. Es ist echt gefährlich und im Zweifel geht’s eben abwärts. Man muß wissen, dass die ATV’s fürchterlich kopflastig sind und das umso mehr, je schmaler die Spur ist. Hardcore-Offroader wissen deshalb die Spurplatten (Spurverbreiterung) zu schätzen.